Kontroverses Thema Baumpflanzungen

Und weiter ging es heute mit dem kontroversen Thema “Baumanpflanzungen”.
Heute Heimische Buche, Eiche und fremdländische Manna-Esche und Pekanussbäume gepflanzt.
Insgesamt sind wir bei Baum Nummer 12. Nicht viel, aber auch nicht nix.

Die Flächen, auf denen wir Bäume pflanzen, bleiben übrigens so naturbelassen wie möglich.
Das Ziel ist nicht hier eine Holzwirtschaft zu betreiben. Das Ziel ist es hier Mischwälder mit 15 bis 20 Baumarten anzusiedeln.

Darf man aus naturschutzfachlicher Sicht nicht-heimische Bäume (aus Südeuropa) hier ansiedeln,
in der Hoffnung, dass diese resistenter gegen den Klimawandel sind?

Natürlich darf man das, da diese so oder so schon im Lande sind.
Eine starke Verbreitung von “Fremdpflanzen” findet übrigens durch den Güter- und LKW-Transport statt, natürlich auch durch Vögel.
Obacht ist jedoch geboten bei “Radikal-Neophyten” und schutzqwürdigen Biotopen im direkten Umfeld.

Die oft hitzig geführte Diskussion ist selten konstruktiv, manchmal aber eben doch.
Von Ute Köhler testen wir einen interessanten Ratschlag.

Die “Starken” selektieren und gezielt anpflanzen. Was heisst das?
AUf Flächen, wo die Dürre merkliche Spuren hinterlassen hat und einige Kleinbäume nun ausgelöscht sind, haben wir
Pflanzen umgesiedelt, welche der Dürre getrotzt haben.
Eine kleine Blindschleiche dabei getroffen.
Bei der Baumumpflanzung wichtig: Nur Bäume mit dem kompletten Wurzelwerk UND der umgebenden Erde ausgraben.
Und nur Bäume umsiedeln, wenn ihr sicher seid, dass diese es aufgrund einer Massivverschattung am aktuellen Standort kaum schaffen werden UND
noch genügend weitere Klinbäume vorhanden sind.

Ob das reicht “selektiv-starke” Bäume anzusiedeln?
Eine Buche wird kaum genügend Toleranzspielraum besitzen, um z.B. in Barcelona wachsen zu können.
Ein Versuch ist es Wert. Natürlich wird die Kimaerwärmung in den nächsten 10, 20, 30 und 40 Jahren noch massiv zunehmen.
Subjektive Einschätzung und Mutmaßung: Auch die selektierten Buchen werden es (vlleicht) nicht schaffen, aber wer weiß?
Niemand weiß, was in 10, 20, 30 Jahren mit unserer Flora passiert.
Eichen jedoch haben als Tiefwurzler gute Chancen.
Weitere Tiefwurzler, die hoffentlich gute Karten haben, sind die Esche, die Kiefer, die Lärche, die Linde und der Wacholder.

Gesichert werden wir auch noch die fremdländische Robinie einsetzen, ebenso wie verschiedene südeuropäische Ahorn-Arten.
Ein intensives Beratungsgespräch haben wir dazu in der nächsten Woche.

3 Szenarien:

a) Wir setzen nur heimische Bäume ein und merken in 10 Jahren: Alles Mist. Die Klimazonenverschiebung ist zu eklatant.
Die Bäume sterben, wertvoller Lebensraum für eine Vielzahl von Arten geht verloren. CO2-Speicher fürn Arsch. Noch mehr CO2 in der Luft, die Klimaerwärmung bekommt
einen riesigen Zusatzschub, weil inj Mitteleuropa die Bäume wegsterben. Für unsere Generation wichtig?
Hartgesottene Egoisten könnten sagen: Mir egal, ich bin dann bald tot. Aber all jene, welche Nachkommen auf die Welt gesetzt haben, müssten eigentlich
ein persönliches Interesse daran haben, dass wir auf Szenario a) gut vorbereitet sind.

b) Wir setzen ganz gezielt und schwerpunktmässig auf Arten aus Ostasien, dem Kaukasus und Südeuropa.
Auch nicht gut. Heimische Fauna kann mich nicht heimischer Flora erstmal nicht viel anfangen. Zumindest theoretisch ist denkbar,
dass es zu einer Massiv-Verdrängung heimische rArten kommt und einem dadurch weiter ansteigendem Artensterben. Die Katastrophe aus einem anderen Blickwinkel.

c) Der Mix:
2 Drittel heimisch, 1 Drittel Bäume, die mit wenig Niederschlag und langen Trockenperioden auskommen.

Wir wählen C)

Die Rechnung: 20 Baumarten, wovon 2/3 heimisch sind (also 14).
14 heimische Arten, welche der Klimaerwärmung auf den Testflächen trotzden sollen, ohne künstliche Beregnung.
Das kann ganz schön knapp werden, mit wird mulmig in der Magengegend, aber einen Versuch ist es dennoch Wert.
Wir werden versuchen gezielt bestimmte Tiefwurzler mit wenigen Flachwurzlern zu kombinieren. Wir werden berichten.

Und an jene, die immer wieder gebetsmühlenartig predigen:

IHR DÜRFT DOCH ABER KEINE NICHT-HEIMISCHEN ARTEN einsetzen!!

Ok, dann nennt uns heimische Alternativen. Nennt uns Konzepte, wie ein artenreicher, heimischer Mischwald funktionieren kann.
Aber bitte nennt auch Studien, die das belegen…Versuche, Testflächen, welche Methodik, etc. etc.
Ansonsten bleibt es beliebig. Kann man genau so sagen: Die deutsche Buche wächst auch in der Sahara, weil ich es weiß!
Merkste was?
Was nicht hilft: Meckern und sagen: Das geht so nicht! Von Gemecker is noch nie ein Baum gewachsen 😉
Merkst jetzt was – Ihr Meckerfritzis?

Nettgemeinter Tipp von hier: Nicht zu lange mit dem Gesabbel aufhalten – Machen! Nicht morgen, jetzt!

Gnadenhof Brödel Melle
http://gnadenhof-melle.de
https://www.betterplace.org/de/projects/71760-gnadenhof-brodel-melle-artenschutzprojekt-blumiger-landkreis-osnabruck