Naturschutzarbeit – Bewegung auf dem Feld ein echter Segen und ein Privileg 🙂🦹‍♂️🦹‍♂️🦹‍♂️🦹‍♀️🦹‍♀️🧙‍♀️🧙‍♀️🙆‍♂️🙋‍♀️🙋🐸🐵🐻🦅🐝🐛🦋🐌🐞
Und 1: Alte Maschine schrott, dank Georgs Bioladen und vieler Spenden geht es zum Glück weiter
Und 2: Nationale Akademie der Wissenschaften warnt vor dramatischem Artensterben in der Agrarlandschaft – und nimmt ALLE (!) in die Pflicht

Auch wenn die Naturschutzarbeit zuweilen ganz schöner (zeitlicher) Stress sein kann (in schlecht gelaunten Zeiten fragt man sich,
wieso man sich als Hobby keine Modelleisenbahn zugelegt hat):
Ganz ganz häufig ist es auch ein Segen und ein Privileg und einfach eine ganz herrliche Beschäftigung 🙂

Heute den ganzen Tag „im normalen Job“ programmiert. Um dann den Kopf frei zu kriegen
abends den Balkenmäher und ne Heuharke geschnappt und Wiesen gemäht und extensiviert.

So wird es auch nächstes Jahr hier entweder WIEDER artenreich oder aber ENDLICH artenreich.
Beides ist super.
Dafür lohnt es sich, sich zu bewegen.
Der Balkenmäher und der Einachser, welchen wir 2017 für das Projekt erworben haben, haben beide unabhängig voneinander innerhalb weniger Tage schlapp gemacht.
Eventuell kann man die Dinger nochmal reparieren (Heftpflaster Eintausendunddrölf…).
Dank der hohen Spende von „Georgs Bioladen“ aus Melle sowie vieler vieler SpenderInnen auf Betterplace jedoch
konnten wir zum Glück bereits vor einigen Wochen Ersatz beschaffen (das Ende war absehbar). Danke noch einmal!
So geht es weiter mit der Förderung der Artenvielfalt.

Heute war in Melle/Oldendorf ein Stück neben der Beweidungsfläche „Schürenort“ dran.
Damit Wildblumen dort langfristig eine Chance haben muss der sehr nährstoffreiche Boden ausgemagert werden. Also heute
neben der Weidefläche einen Blühstreifen gemäht
und geharkt und geharkt und geharkt.
Das beweidete Areal soll auf Dauer durch die Tierbeweidung artenreicher werden.
Neben der Weide und dem Wasserablauf jedoch ist auch noch ein Stück (etwa 150 m²), welches sich nächstes Jahr über eine sehr artenreiche
mehrjährige und regionale Wildblumenmischung freuen wird.
Zudem den Wassergraben frei geschnitten. Ordentlich durch den Matsch gewatet. Auch das gehört dazu.

Es ist herrlich! Frische Luft, Bewegung und man sieht, was man geschaffen hat.
Anschließend stinkt man oft wie ein Iltis, ist ordentlich eingesaut, klitschnass geschwitzt, aber dennoch irgendwie glücklich.
Und der Hausarzt freut sich über gute Messwerte ob der ganzen Bewegung. Na also, geht doch 🙂

Klingt etwas schrullig (aber von Naturschützern erwartet man ja nichts anderes), aber man baut irgendwie auch
„Kontakt zu der Fläche“ auf (die man bearbeitet).
Jetzt nicht so metaphysisch-esoterisch „ich war noch nie so eine Einheit mit Dir, wie jetzt, Planet Erde. Du bist Ich und Ich bin Du!“ (es gibt ja nichts, was es nicht gibt),
sondern eher so, dass man von Monat zu Monat und von Jahr zu Jahr sieht, was
sich dort ansiedelt und welches neues Leben sich auf einer vormals relativ artenarmen Fläche entwickelt.

Wenn man wirklich will und bereit ist, etwas zu tun, dann kann man (ganz allgemein gesprochen) aus sehr monotonen grünen Einheitswiesen-Wüsten (häufig sind diese leider
ziemlich überdüngt, dann haben Wildblumen langfristig leider keine Chance) Paradiese für die Artenvielfalt gestalten.
Dauert etwas…zuweilen Jahre, aber lohnt sich.

Gestern ist eine vielbeachtete Studie u.a. der Leopoldina Nationale Akademie der Wissenschaften,
der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften und der Union der
Deutschen Akademien der Wissenschaften (noch mehr Wissenschaft geht nun wirklich nicht ;-)) erschienen:

https://www.leopoldina.org/presse-1/nachrichten/biodiversitaet-und-management-von-agrarlandschaften/
Zur Originalpublikation geht es hier:
https://www.leopoldina.org/publikationen/detailansicht/publication/biodiversitaet-und-management-von-agrarlandschaften-2020/

Klar und deutlich wird in dem Bericht zu „Biodiversität und Management von Agrarlandschaften“ beschrieben,
dass die Situation ganz massiv und hochgradig dramatisch ist.
„Der beobachtete Rückgang der biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft in Deutschland wird zukünftig die
Funktionsfähigkeit der Agrarökosysteme einschränken und spürbare Folgen für Mensch und Umwelt haben.“

Die aktuelle europäische Agrarpolitik zerstöre die Artenvielfalt, und die derzeit geplante Reform
gehe längst nicht weit genug, um das Artensterben aufzuhalten.

In dem Bericht findet jedoch keine „Schuldzuweisung“ statt (wie sie in sozialen Medien gerne praktiziert wird).
Sehr gut! Beleuchtet wird, dass die Situation viel viel viel komplexer ist, als dass man nur auf den Landwirten eindreschen (welch schlechter Wortwitz an dieser Stelle)
könnte.
Die aktuell stattfindenden Praktiken werden als logische Prozesse bezeichnet, denen sich Landwirte zu unterwerfen haben, sofern sie überleben wollen.
Dazu gehören Monokulturen, ein großflächiger Pestizideinsatz, größere Flächen und mehr Tiere. Letztlich alles, was die Landwirtschaft effizienter macht.

Daher empfehlen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine systemische Herangehensweise mit vielfältigen, parallelen Lösungsansätzen. Der wichtigste Ansatzpunkt seien die Subventionszahlungen im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union (GAP).
Diese sollten zukünftig stärker an tatsächlich erbrachte und messbare Ökosystemleistungen geknüpft werden.

Hervorgehoben wird auch:
Unterstützung von landwirtschaftlichen Betrieben: Für landwirtschaftliche Betriebe muss biodiversitätsfreundliche Produktion wirtschaftlich attraktiv sein. Sie sollten bei der Umsetzung entsprechender Bewirtschaftungsmethoden sowie bei Investitionen in innerbetrieblichen Naturschutz unterstützt werden. Neben dem ökologischen
Landbau sollten innovative Konzepte für den integrierten Anbau ausgebaut und kontinuierlich weiterentwickelt werden.

Auch der Handel wird in die Pflicht genommen (Auszug):
Einfluss durch Handel und Märkte: Produkte aus regionaler biodiversitätsfreundlicher Produktion sollten im Handel entsprechend gekennzeichnet werden. Zudem müsse die Infrastruktur verbessert werden, um regionale landwirtschaftliche Produkte lokal weiterverarbeiten zu können.

Klar benannt wird auch die Verantwortung der Kommunen:
„Verantwortung der Kommunen: Als sichtbare Vorreiter und Multiplikatoren sollten sie sich
stärker dafür einsetzen, die biologische Vielfalt auf ihren Flächen zu erhalten, zu pflegen und zu erhöhen.“

Und sehr positiv:
Veränderung der gesellschaftlichen Wahrnehmung und Wertschätzung: Das Bewusstsein für die Bedeutung biologischer Vielfalt in der Agrarlandschaft sollte grundlegend gestärkt werden und müsse sich auch in einem geänderten Konsumverhalten zeigen. Besonders wichtig sei es, die Bereitschaft zum Kauf biodiversitätsfreundlicher Produkte zu erhöhen und den Fleischkonsum zu reduzieren.

Blumiger Landkreis Osnabrück
Artenvielfalt steigern, Insektensterben stoppen
González-Romero-Blühwiesenkorridor Blumiger Landkreis Osnabrück
http://blumiger-lkos.de

Spenden für das Projekt:
https://www.betterplace.org/de/projects/61252-blumiger-landkreis-osnabrueck

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