Haben einige (nicht alle!) MitgliederInnen von CDU und FDP immer noch nichts begriffen?
Geschrieben:

Haben einige (nicht alle!) MitgliederInnen von CDU und FDP im Landkreis OsnabrĂŒck immer noch nichts begriffen? đŸ˜«đŸ§đŸ€ŹđŸ˜łđŸ˜łđŸ˜€đŸ˜­
Und: Lob fĂŒr einen Vorschlag der Meller CDU 🙂👍👍

Abstimmung im Umweltausschuss des Kreistages OsnabrĂŒck votiert gegen 5 Meter-Schutzstreifen (fĂŒr 1-Meter-Pestizid-Schutzstreifen) in weiterem FFH-Gebiet

Leserbrief zum Artikel
https://www.noz.de/lokales/osnabrueck/artikel/1882806/cdu-bleibt-bei-1-meter-randstreifen-in-schutzgebieten-im-osnabruecker-land, 18.9.
CDU bleibt bei 1-Meter-Randstreifen in Schutzgebieten im OsnabrĂŒcker Land

sowie zum Artikel:
https://www.noz.de/lokales/melle/artikel/1867733/cdu-melle-jetzt-fuer-bluehstreifen-an-gewaessern, 6.9.
CDU Melle jetzt fĂŒr BlĂŒhstreifen an GewĂ€ssern

Mit gleichzeitiger Freude und Fassungslosigkeit wurde hier der Artikel „CDU bleibt bei 1-Meter-Randstreifen in Schutzgebieten im OsnabrĂŒcker Land“ (18. September 2019)
aufgenommen.

Diese Thematik hat in den letzten Monaten fĂŒr viel Unruhe und Empörung (nicht nur regional im Landkreis OsnabrĂŒck) gesorgt.
Nachdem Landrat Dr. Michael LĂŒbbersmann im Juni den klugen und nachhaltigen Vorschlag gemacht hatte,
Landwirte fĂŒr die Bereitstellung eines Schutzstreifens zu entschĂ€digen, war die Hoffnung groß, dass nun endlich Ruhe und Einsicht einkehren wĂŒrde.
Doch scheinbar weit gefehlt.

GewĂ€sserrandstreifen dienen einer wichtigen Aufwertung und Vernetzung dringend benötigter LebensrĂ€ume fĂŒr eine Vielzahl von Tieren und Pflanzen.
Eine natĂŒrliche Ufervegetation sorgt fĂŒr eine großflĂ€chige Verbesserung des jeweiligen Mikroklimas. Sie reduzieren direkte und indirekte StoffeintrĂ€ge umliegender FlĂ€chen und sorgen fĂŒr eine natĂŒrliche Erhöhung der Wasserspeicherung (z.B. bei den klimaerwĂ€rmungsbedingten StarkregenfĂ€llen).
Neben einer FĂŒlle von Vogelarten, Fischen, Amphibien, Reptilien und KleinsĂ€ugern profitieren auch diverse Insekten von diesen wichtigen Schutzstrukturen.
In diesem Sinne herrscht Freude ĂŒber den Richtungswechsel der SPD vor, welche sich mittlerweile fĂŒr einen 5-Meter-Streifen ausspricht.
Eine MeinungsĂ€nderung unter BerĂŒcksichtigung aller vorliegenden Fakten ist kein Zeichen von SchwĂ€che, das Gegenteil ist der Fall.

Das Artensterben ist aktuell so prĂ€sent wie selten. Genau genommen befinden wir uns gemĂ€ĂŸ BiodiversitĂ€tsrat der Vereinten Nationen im grĂ¶ĂŸten Artensterben seit 66 Millionen Jahren. Eben jener Rat veröffentlichte im Mai dieses Jahres, dass schon jetzt die Geschwindigkeit, in der Tier- und Pflanzenarten aussterben, zwischen zehn- und hundertmal höher sei als im Durchschnitt der vergangenen zehn Millionen Jahre. Im globalen Bericht zur Lage der Artenvielfalt, den der WeltbiodiversitĂ€tsrat (IPBES)
im Mai in Paris veröffentlichte, steht: „Der Verlust von Arten, Ökosystemen und genetischer DiversitĂ€t ist bereits jetzt eine
globale und generationenĂŒbergreifende Bedrohung fĂŒr das Wohlergehen der Menschheit.“
Anders formuliert: KlimaerwÀrmung und Artensterben bedrohen die Fortexistenz der Menschheit auf diesem Planeten ganz massiv.

Die Bundesregierung wird in KĂŒrze im Rahmen des Aktionsplanes Insektenschutz per Gesetz beschließen, dass Schutzstreifen an GewĂ€ssern eine Breite von 5 bis 10 Metern haben mĂŒssen.

Wenn nun aber zu lesen ist, dass Mitglieder der CDU, FDP und AFD im Landkreis-Umweltausschuss (Landkreis OsnabrĂŒck)
(der sich am 18. September im Kreishaus traf) dafĂŒr votierten, dass auch das FFH-Gebiet „BĂ€che im Artland“ lediglich einen 1-Meter-Schutzstreifen erhalten solle, so ist in Bezug auf die Kreistagssitzung am 30. September (ab 15 Uhr im Kreishaus, großer Sitzungssaal) Schlimmes zu befĂŒrchten. Aus fachlichen GrĂŒnden muss hier sogar von einem weiteren „Schreckensszenario“ gesprochen werden.

In unserem ehrenamtlichen und mittlerweile mehrfach bundesweit ausgezeichneten Projekt „Blumiger Landkreis OsnabrĂŒck“ (http://blumiger-lkos.de)
setzen wir uns seit 2017 gemeinsam mit einer Vielzahl namhafter Stiftungen und Sponsoren sowie einer hohen Zahl BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern fĂŒr eine Verbesserung der Lebensbedingungen der Insekten im Landkreis OsnabrĂŒck ein.
Seit 2017 haben wir ĂŒber 140 BlĂŒhwiesen angelegt. In diesem Herbst folgen diverse Streuobstwiesen.
Im nĂ€chsten Jahr werden wir (bislang bundesweit) Einmaliges schaffen. Ende Mai 2020 planen wir „mit viel medialem und politischen TamTam“ (es muss richtig laut sein! Und insbesondere die am 30.9. befĂŒrchtete Entscheidung wird dafĂŒr sorgen, noch einige Dezibel draufzulegen – auch das gehört zu einer Demokratie dazu) die Fertigstellung eines BlĂŒhwiesenkorridors zwischen Melle und Hagen a.T.W. auf einer LĂ€nge von 35 Kilometern.

FĂŒr Insekten sind nicht nur BlĂŒh- und Streuobstwiesen oder beispielsweise TotholzbestĂ€nde elementar. Nein, auch GewĂ€sserrandstreifen haben fĂŒr eine hohe Anzahl der so wichtigen Lebewesen eine herausragende Bedeutung.
Libellen, Stein-, Köcher- und Schwebfliegen sind auf eine entsprechende pestizidfreie Umgebung an GewÀssern angewiesen. Eben jene Tiere sind integraler Bestandteil diverser Nahrungsketten.
Zudem wachsen an GewĂ€sserrandstreifen viele Wildpflanzen, die Lebensgrundlage fĂŒr (beispielsweise) unterschiedliche Wildbienenarbeiten sind.
Ein sinnvoller GewÀsserrandstreifen muss deshalb eine Breite von mindestens 10 Metern aufweisen.

Das Insektensterben ist auch im Landkreis OsnabrĂŒck, wie ĂŒberall auf der Welt, hausgemacht und ein Resultat von FlĂ€chenversiegelungen, Monokulturen und den desaströsen Folgen einer intensiven Landwirtschaft.
Dass sich Landwirte dagegen wehren, GewĂ€sserrandstreifen als Puffer unentschĂ€digt zur VerfĂŒgung zu stellen, ist nachvollziehbar.
Wir benötigen eine massive gesellschaftliche (vom Einzelkonsumenten bis zur politischen Ebene) UnterstĂŒtzung der Agrarwirtschaft, die sich auf den Weg zu ökologischeren, nachhaltigen Produktions- und Anbaumethoden macht. Anders werden wir das Artensterben nie und nimmer in den Griff bekommen.
Gemeinsam mit der Landwirtschaft jedoch lÀsst sich viel erreichen.
Wir stellen auch im „Blumiger Landkreis OsnabrĂŒck-Projekt“ vermehrt fest, dass Landwirte bereit sind, sich umweltfreundlicheren Alternativen zu öffnen.
SelbstverstĂ€ndlich wird das sehr viel Geld kosten. Geld, das kein Landwirt einfach so aus dem Ärmel schĂŒtteln kann, zumal viele Betriebe schlichtweg „mit dem RĂŒcken zur Wand“ stehen.

Positiv und sehr begrĂŒĂŸenswert ist daher ein Vorschlag der Meller CDU, welche sich dafĂŒr ausspricht, dass Landwirte,
die im Stadtgebiet an FließgewĂ€ssern BlĂŒhstreifen von mehreren Metern anlegen, eine VergĂŒtung von der Stadt Melle erhalten.
Eine sinnvolle und gute Idee, welche einen hohen Nutzen fĂŒr Flora und Fauna bringen kann und gleichzeitig Interessen der Landwirte berĂŒcksichtigt.

Wenig, um genau zu sein: garkein (!) VerstĂ€ndnis jedoch soll an dieser Stelle fĂŒr die Haltung der CDU/FDP/AFD-Mehrheit im Umweltausschuss des Kreises ausgesprochen werden. Diese Entscheidung ist schlichtweg erschĂŒtternd und macht fassunglos.

Im Blumiger-Landkreis-OsnabrĂŒck-Projekt haben wir binnen 3 Jahren mit mittlerweile ĂŒber 1000 Personen (Firmen, Vereinen, Schulen, Kirchengemeinden, Gemeindevertretern etc.) in insgesamt etwa 7000 Stunden ehrenamtlicher Arbeit Vorzeigestrukturen (in kommunalem Rahmen) fĂŒr den Insektenschutz geschaffen.

Dieses ehrenamtliche Engagement wird durch diese politische Entscheidung im Umweltausschuss des Kreises –
allen fachkundigen RatschlĂ€gen von Behörden und Wissenschaftlern zum Trotz – konterkariert und in Teilen sogar zerstört.

Die Entscheidung jener CDU-/FDP-/AFD-Mitglieder ist unserer Meinung nach sachlich nicht zu begrĂŒnden.
Vielmehr: Sie ist ein nasser und pestizidbelasteter Schlag ins Gesicht aller NaturschĂŒtzer und umweltbewussten Menschen im Landkreis. Es macht traurig und zornig zugleich,
dass auch im Jahre 2019 (trotz der Vorgeschichte des „Randstreifen-Diskurses“) so etwas noch möglich ist.
Es entsteht der Eindruck, dass hier eine Entscheidung einiger „Ewiggestriger“ gefĂ€llt wurde, welche leider immer noch nicht den Ernst der Lage begriffen haben.

Im NOZ-Artikel (CDU bleibt bei 1-Meter-Randstreifen in Schutzgebieten im OsnabrĂŒcker Land) war zu lesen, dass ein Landwirt und CDU-Mitglied aus Melle die Äußerung getĂ€tigt habe, dass der Landkreis keine verschĂ€rfte Verordnung zu GewĂ€sserrandstreifen beschließen mĂŒsse, wenn das Bundesumweltministerium ohnehin in ein paar Jahren Randstreifen von fĂŒnf bis zehn Metern Breite auf den Weg bringen wolle.

Das nun klingt in etwa so, als ob jemand vor einem brennenden Haus stĂŒnde, um dann zu sagen: „Löschen ist aktuell nicht nötig. In einigen Stunden kommt doch die Feuerwehr. Warten wir doch erstmal ab.“

Die PolitikerInnen des Kreistages könnten hier mit gutem Beispiel vorangehen und ein wichtiges politisches Zeichen setzen, stattdessen beharren einige VertreterInnen scheinbar stur und betonköpfig auf einer faktenfernen und verantwortungslosen Entscheidung, welche das Artensterben massiv fördert.

Nun gehört es natĂŒrlich zu einer Demokratie dazu, nicht immer einer Meinung zu sein.
Als betroffener NaturschĂŒtzer bleibt jedoch nur die ganz sachlich formulierte Bewertung: „Das !!! ist eine Schande!“.
Offenbar waren die Wahlschlappen der letzten Monate wohl noch nicht deutlich genug.