Politisch neutral ist wie: “Ach eigentlich ist mir alles irgendwie egal”

Auch eine Politikerin der CDU (namentlich in Persona von Anja Lange-Huber) unterstützt das geplante Projekt
“500 AKA – 500 aktiv für Arten- und Klimaschutz im Landkreis Osnabrück”

http://500-aktiv-fuer-klima-und-artenschutz.de

Und einmal mehr zeigt sich, dass die Welt nicht nur “Schwarz und Weiss” (Grün und Rot, Gelb und Blau…) ist,
sondern dass es noch viele Farbtöne dazwischen gibt. Vielen Dank für die Unterstützung 🙂
Somit sind nun bereits PolitikerInnen aus ÖDP, UWG, GRÜNE, SPD und CDU an Bord.

Tja, manchmal muss man (in diesem Falle der Kai) zugeben, dass man von anderen Leuten noch einiges lernen kann.
Z.B. Mediator-Fähigkeiten und Dialog-Vermittlungs-Kompetenz (kleinlautes Gemurmel ertönt im Hinterkopf…).
Und wer sich (wie Anja) nach einer gepfefferten Kritik an der CDU-FDP-unterstützten Landwirtschaftspolitik der EU die Zeit und Energie
nimmt, in einer allgemeinen Position zu der Kritik auf Facebook Stellung zu nehmen, der verdient eh “doppeltes Gehör”. Well done! Gut gemacht, ausdrücklich!

https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=1051741188632441&id=100013897084623
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Nun ja, Meinungsbildung und Meinungsmache sind ein hochgradig komplexes Thema.
Äußerordentlich interessant und sehr lesenswert dazu ist die Diskussion zwischen Wolfgang Schäuble
und Luisa Neubauer von letzter Woche:
https://www.spiegel.de/politik/deutschland/luisa-neubauer-und-wolfgang-schaeuble-ueber-die-schuld-der-aelteren-generation-am-klimawandel-a-00000000-0002-0001-0000-000173621997

Schäuble:
“Da ist etwas dran. Es reicht aber trotzdem nicht, dass Wissenschaftler oder engagierte junge Leute das feststellen. Demokratisch kann man nur etwas ändern,
wenn man Mehrheiten gewinnt. Dazu muss man Druck machen, sonst passiert gar nichts. Irgendwie muss das zu schaffen sein.”

Nur was, so die Frage von hier, wenn im Rahmen vieler EU-Befragungen über 90% der Europäischen Bevölkerung äußert, dass Arten- und Klimaschutz “wichtig” bzw. “sehr wichtig” sei?
Das muss doch für eine Mehrheit reichen? Dann ist doch eine gesellschaftliche Mehrheit vorhanden?
Und dann entscheiden bestimmte Parteien wie die CDU und FDP auf EU-Ebenen dennoch gegensätzlich?
So als ob es die sog. “Farm to Fork”-Strategie der EU-Kommission nie gegeben hätte??!

Richtig ist natürlich: Auch in jeder Partei gibt es unterschiedliche Meinungen, Positionen, Ansichten.
Und doppelt richtig ist natürlich: Wenn man sich nicht an einen Tisch setzt (Facebook, Leserbriefe, Foren etc. etc.),
dann wird es keine gemeinsame Gestaltung der Gesellschaft zu mehr Arten- und Klimaschutz geben. In diesem Sinne:
Sehr gut und explizit dafür ein Dank an Anja Lange-Huber!

Und gleichzeitig und zusätzlich: Eine Sachentscheidung, wie die (weitgehende) Fortführung der Agrarpolitik der EU
ist (aus Sicht von hier) eine ökologische Katastrophe, zumal etliche Alternativen in den letzten Jahren auf EU-Ebene ausgearbeitet
wurden. Eine klarer Sieg für die “Ewig-Gestrigen” aus dem Sektor des Agrar-Groß-Lobbyismus. Fürchterlich.

Und dennoch und unbedingt, es spricht garnichts dagegen, mit Vertreter/Innen einer Partei im Rahmen sinnvoller Entscheidungen zusammen zu arbeiten und
sinnvolle Projekte nach vorne zu bringen und
gleichzeitig Sachentscheidungen selbiger Partei (auf einer anderen Ebene, ggf. zu anderen Themen) zu kritisieren. So ist das nun mal.
Nach der EU-Entscheidung vom vorletzten Freitag sind hier in hitziger Atmosphäre
Futtertonnen durch die Gegend geflogen. Eine ist dabei kaputt gegangen und wird nun an den regionalen CDU-EU-Parlamentarier
Jens Gieseke geschickt (“Und jetzt sieh, was Du angerichtet hast!”) ;-).

Im Rahmen einer Alltags-Arbeit einer Naturschutzgruppe sehr gut: Die größtmögliche Unabhängigkeit
und die hohe Freiheit, zu machen, zu tun und zu sagen, was man für richtig hält.
“Kadavergehorsam”, wie es ihn zuweilen auf Politebene zu geben scheint, ist hier zum Glück nicht notwendig.

Übrigens anbei noch ein kleiner Zwischenstand zu den Vorschlägen zum “Nach-Uns-Die-Sintflut-Preis” für regionale Entscheidungen,
mit hohem Negativeinfluss auf Klima und Artenvielfalt im Landkreis Osnabrück.
Der Preis ist explizit als ein “Anti-Preis” zu sehen, um auch auf destruktive regionale Auswirkungen von regionaler/lokaler Politik/regionalen PolitikerInnen
auf Arten- und Klimaschutz aufmerksam zu machen.

Wertfrei (ausdrücklich: wertfrei!) hier kurz und knapp benannt (berücksichtigt werden nur Vorschläge, die hinreichend und komplex begründet werden und
durch Quellenangaben ausreichend belegt sind. Auch dürfen sehr gerne wissenschaftliche Studien und mögliche Alternativen benannt werden)…
Bei der “Anti”-Preisvergabe wird es auch hier um Mehrheiten aber insbesondere auch um die entsprechenden Auswirkungen der Entscheidungen gehen:

3 Nennungen: CDU-Positionen zum Festhalten am und zur Förderung des Flughafens Münster-Osnabrück
1 Nennung: GRÜNE zur Nicht-Förderung von Lastenrädern auf Landkreis-Ebene
1 Nennung: SPD-/CDU-Position zu Nicht-Verboten von Schotter- und Steingärten (bezogen auf Ratssitzung in Melle)
2 Nennungen: CDU-Positionen (namentlich genannt Jens Gieseke) zur EU-Agrarpolitik und deren Auswirkungen auf den Landkreis Osnabrück
1 Nennung: CDW/FDP-/CDU-Haltung zu Gewässerrandstreifen im Artland

Ach ja, noch was: Ab und an kommt hier Kritik rein (bislang bestimmt schon 5 oder 6 mal):
Ihr seid Naturschützer und Tierschützer! Ihr müsst politisch neutral sein! Politik ist Sache für PolitikerInnen!

Antwort: Politisch neutral sind nur Menschen ohne eigene Meinung und ohne den Willen, etwas verändern zu wollen.
Politische Entscheidungen, die eine Nicht-Verbesserung oder sogar eine Verschlechterung nach sich ziehen, können von Tier- und Naturschutzgruppen niemals
neutral betrachtet werden.
Politisch neutral ist wie: “Was hörst Du denn gerne für Musik?” “Och, eigentlich alles, was so im Radio läuft…”
“Danke für das Gespräch.”

Auf den Bildern übrigens: Rebhühner…
Seit 1980 haben sich deren Populationen in Europa um etwa 90% reduziert.

Rebhühner sind in Niedersachsen mittlerweile massiv vom Aussterben bedroht.
Quelle: Hannoversche Allgemeine Zeitung, Juli 2020:
https://www.haz.de/Nachrichten/Der-Norden/Artenvielfalt-Rebhuehner-in-Niedersachsen-sterben-aus
Die Tiere leben z.B. von Sämereien, Wildkräutern und Insekten.
Sind angewiesen auf Hecken, Büsche, Wegraine in reich strukturierten Mischgebieten.