Grundsätzliches zum Klimaschutz

Heute 70 Bäume gepflanzt – das deckt die Flugzeug-CO2-Emissionen EINER (!) Person von Düsseldorf nach Mallorca (Flugzeug, hin- und zurück)
Und 1: Kritik am Weihnachtsmann
Und 2: Einige Gedanken zur Wahrnehmung von Klimaschutzaktivitäten in der Gesellschaft
Von Zögerlichkeiten, Entscheidungen in einem komplexen Gesamtgefüge und Komplettidiotie

Heute die Bäume 830 bis 900 eingepflanzt. 30 folgen noch in diesem Jahr.
70 Stück, 2 Stunden gemeinsam mit einer sehr netten Person in Melle/Oldendorf heute etwas Praktisches für den Klimaschutz geleistet.
Ein Zaun gegen Rehfrass errichtet und auf etwa 300 m² (am Fuße eines größeren Anhöhe, es ist dort also vergleichsweise feucht) südeuropäische und heimische Arten angepflanzt.
Lärche, Peka- und Schwarznuss, Blutbuche, Rotbuche, Hainbuche, Roteiche, Zerreiche, Mittelmeer-Zypressen, Douglasien,
Heimische Kiefer, Mittelmeerkiefer, Manna-Esche, Spitzahorn, Erlen….

Hat Spaß gemacht, ist aber im nasskalten Wetter immer auch ein wenig Maloche. Darf es auch ruhig sein, immerhin geht es darum Beiträge gegen die Klimaerwärmung zu leisten. Hier wird in einem Mikrowäldchen jede Menge CO2-gespeichert werden.
Bei 70 Bäumen: Etwa 700 Kg/Jahr. Das deckt den CO2-Verbrauch (Flugzeug) einer Einzelperson von Düsseldorf nach Mallorca (hin- und zurück).

Auf dem Rückweg nach Hause den Weihnachtsmann getroffen, auch schwer am Ackern.

„Ey, Santa! Jetzt weiß ich was ich mir wünsche! Ich wünsche mir, dass jeder Mensch der mit dem Flugzeug fliegt, durch Kraft seiner Hände seine eigenen CO2-Emissionen durch Baumpflanzungen kompensiert.
Einmal Malle und zurück, 70 Bäume, 300 m² Fläche nötig, 4 Stunden Arbeit, etwa 200 Euro Investment. Für sich selber und die Zukunft. Watt meinste? Geht da was??“

„HoHoHoHoHoHo….“…..lacht sich der Weihnachtsmann halbtot.“ Du glaubst wohl auch an den Weihnachtsmann, was???“, brüllt er ganz heiser vor Lachen.
Ich bin irritiert. Mit wem rede ich denn hier schließlich….?`

Trotzdem antworte ich: „Watt is? Ich denke Du kannst Wunder vollbringen und so?“
„Ja, aber doch nicht SOLCHE WUNDER!!!Wünsch Dir doch gleich, dass die Erde eine Scheibe ist! HoHoHoHoHoHo….. Ihr Menschen habt echt Humor.“ Eines der Rentiere sagt: „Ey, Chef, die Idee ist gut. Das wäre doch mal was!“
Santa: „Ruhe! IHR seid NUTZTIERE, ihr sollt den Menschen einen NUTZEN bringen!“

Ich schüttel mit dem Kopf. „Ts Ts Ts, und solche Aussagen von DIR? Du Held meiner Kindheit. Und wenn Du mal wieder im Kamin stecken bleibst, soll ich Dich rausholen, oder was?“

Ich bin etwas frappiert, fühle mich nicht ernst genommen.
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Heute mal einige Gedanken zu Hemmnissen, Zögerlichkeiten, Nicht-genügend-Mut-und-Herzblut-Entscheidungen und Komplettidiotien gemacht.
Verschiedene (kleine und große) Hemmnisse des Umschwunges, des Wandels hin zu einer nachhaltigen Klimapolitik
…was hätten wir denn da (ohne hierarchische Wertung)?

a) Die Nörgler an den Fridays-for-Future-Demonstranten:

Mimimimi….So geht das aber nicht. Werden selbst im SUV von ihren Eltern zu den Demos gefahren. Mimimimimi….interessiert die doch garnicht. Die wollen doch nur blau machen. (Schon etwas aggressiver): DIE SOLLEN ZUR SCHULE GEHEN!! WIR (!!!) sind IMMER zur Schule gegangen (das Pendant zu „die sollen sich die Haare schneiden und arbeiten gehen“ in den 60ern). Können denn die Demos nicht am Wochenende stattfinden? Und die lassen den ganzen Müll da liegen, die sollen lieber was Sinnvolles machen.
Senioren betreuen, Bäume pflanzen…MiMiMiMi….Durch Ihre Handys und ihre Urlaubsreisen, da machen die doch alles kaputt…
Sollen mal sich besser bilden und arbeiten gehen. Die sind doch auch nicht perfekt, also sollen die mal ganz ruhig sein. Und diese Greta da,
die ist doch eine Marionette…will uns vorschreiben, wie wir zu leben haben…als 16jährige!!
Die ist auch nicht perfekt! Also wer nicht perfekt ist, der darf auch nicht demonstrieren.
Und ich selber mache da erstmal garnichts!! Also ich beteilige mich da nicht. Ich fliege jetzt nach Kreta, und im Flugzeug eß ich ein schönes Rindersteak.
So ein Blödsinn. NeNeNe, so geht es aber nicht.

Randbemerkung 1:
Kurzübersicht über (z.B.) Aktionen, die weit über den Protest hinausgehen und von „Fridays for Future“-Gruppen praktiziert werden:

Da wir von euch wirklich oft zu hören bekommen, wir sollten lieber „Bäume pflanzen“ oder „Müll sammeln“, wollen wir…

Gepostet von Fridays for Future Deutschland am Samstag, 7. Dezember 2019

Randbemerkung 2:
Ob die häufige Blödsinns-Kritik an den Fridays-for-Future-Demos wirklich hilfreich ist? Wohl kaum. Falsche Prioritäten, aber ganz falsche.
Die Folgen der Klimaerwärmung (nur einige) in den nächsten 20 Jahren:
Die Klimazonen verschieben sich. Ganze Landstriche (z.B. im nördlichen Afrika) werden unbewohnbar. Eine Fülle von Menschen wird fliehen
(das ist ihr gutes Recht) und versuchen, einen lebenswerten Ort zu finden. Gleichzeitig werden die „lebenswerten Orte“ immer geringer.
Nordafrika wird die neue Wüste Sahara. Spanien wird das neue Marokko. Deutschland das neue Italien. Die Flächen, auf denen Menschen noch leben können, verlieren an Umfang durch den Anstieg des Meeresspiegels und durch massive Trockenheit.
„Arides Klima“ lautet das unschöne Zauberwort, welches wie ein Damoklesschwert über uns allen (gemeinsam) schwebt, ähnlich wie „klimatisch bedingte Extremkatastrophen“. Es wird Tote geben, auch in Europa.
In einem Spiegel-Online-Artikel (11.12.2019, „Die Natur schickt keine Unterhändler“) steht fokussiert: „…hat sich unsere Lebenswelt in der Wirklichkeit längst zu verändern begonnen. Den Terminplan kennen wir nicht genau, aber sicher ist: Eine Frist läuft, nach deren Ablauf nur noch ein kleiner Teil der Menschheit wird existieren können – wenn überhaupt. Die Natur schickt auch keine Emissäre, mit
denen sich möglicherweise ein wenig Aufschub aushandeln ließe, oder mildere Auswirkungen an dieser oder jener Stelle.“

Ergo: Wir dürfen uns alle glücklich schätzen, dass es ENDLICH eine Bewegung für Klimaschutz und Nachhaltigkeit gibt. Endlich!

Randbemerkung 3: Weniger Kritik an jungen Demonstranten, die sich weit über ihre Demos hinaus organisieren, wäre gut.
Noch besser: Vielleicht selber aktiver werden?
Und ein Anfang: Das eigene Hirn ordentlich durchpusten und etwas mehr Licht reinlassen…das hilft auch beim Schreiben.

b) Klimawandelleugner

Komplettidiotie par Excellence. Für jeden Menschen leicht ersichtlich gibt es eine Fülle von unabhängigen, nationalen, supranationalen, internationalen Studien, welche nur einen Rückschluss lassen:

Der Mensch beeinflusst das Klima durch sein eigenes Handeln in einem erschreckenden Maße. Wir sind an einem Punkt angelangt, an welchem auch unsere Generation massiv von den Folgen betroffen sein wird.

c) Zögerliche Politik, Zögerliche Entscheidungen, Wirtschaftsgehorsam und „Bloß keine Verbote“-Mentalitäten

Insgesamt ein ganz schwieriger Punkt und definitiv ein sehr komplexes Gesamtgefüge. In diesem Sinne sollen hier auch keine
Aussagen „verurteilt“ sondern eher im Kontext des sehr wichtigen Diskurses „Was können wir gemeinsam machen? Und was müssen wir gemeinsam ändern?“ gesehen werden.
Die AFD und FDP werden hierbei absichtlich als (scheinbar) hoffnungslos überforderte Parteien bei Fragen des Klima- und Artenschutzes außer Acht gelassen und innerhalb des Diskurses nicht mehr berücksichtigt (Die AFD wird selbstverständlich auch unabhängig von diesen Fragen nicht ernsthaft berücksichtigt, ein symbolischer Tritt in den Hintern ist die einzige sinnvolle Antwort auf deren Politik).
Interessanter sind da schon z.B. SPD und CDU, die an dieser Stelle durchaus noch „ernst genommen“ werden können.

Was fällt auf?
Immer wieder sind Aussagen wie: „Bloß keine Verbote! Keine Verbote und neue Gesetze für den Klimaschutz. Das muss auch freiwillig gehen!
Oder wir schaffen Anreize über den Markt, sich nachhaltig zu verhalten. Keine neuen Gesetze!“ (Ungefähr so, in je nach Gusto leicht abgeänderter Form).

In der Meller Quintessenz (Ausgabe 3/November 2019) (das Medium hat einen klasse Start hingelegt. Großes Lob an Anita Agarius und Bernd Thye)
ist z.B. von Dr. André Berghegger (CDU/Mdb) zu lesen:
„Als CDU/CSU setzen wir uns insbesondere dafür ein, Anreize für den Verbraucher zu schaffen. Diese sollen es erleichtern, den Umweltschutz besser in den Alltag zu
integrieren. Statt mit Verboten, möchten wir auf diese Weise zu einem nachhaltigen Konsum- und Kaufverhalten beitragen.“
Allright, klingt vordergründig ganz gut. Nur was ist mit der Hintergründigkeit? Grundsätzlich natürlich auch hier: In einem Vorwort, einer Kolumne ist es niemals möglich alle inhaltlichen Präzisierungen – die für ein umfassendes Verständnis nötig sind – hervorzubringen.
Daher die Frage: Welche konkreten Anreize sind denn hier gemeint? Ist denn nicht der „State-of-the-art“-Anreiz häufig der Preis?
Und wenn z.B. das Schnitzel nur Cent-Beträge kostet (oder das Steak nur wenige Euro, oder die Butter, die pro Kilo für 25kg CO2 verantwortlich ist (Äquivalenzwert),
wie soll denn dann ein nachhaltiges Konsumverhalten für den Klimaschutz entstehen? Und wenn der Flug nach Malle, Kreta, Kapstadt, Teneriffa so absurd günstig ist,
welcher Marktanreiz GENAU, soll denn in diesen Zusammenhängen (Ernährung, Verkehr) für ein nachhaltiges Konsumverhalten sorgen? Frage an Herrn Dr. Berghegger….?

Und auch: Sind denn nicht schärfere Ge- und Verbote, Auflagen und Gesetze (wir haben weit über Gebühr gelebt) nötig, um die Klimaziele noch zu erreichen?
Oder sind mit Marktanreizen „umgekehrte Anreize“ gemeint, also Verteuerungen von Produkten mit einer schlechten Klimabilanz? Das wiederum wäre plausibel.

Ähnlich ist in diesem Sinne z.B. auch die Aussage von Andreas Quebbemann (CDU, Kreistagsmitglied des Landkreises Osnabrück) zu hinterfragen.
Gemäß NOZ-Artikel:
https://www.noz.de/lokales/osnabrueck/artikel/1897083/osnabruecker-kreistag-geschlossen-fuer-mehr-klimaschutz

Text: Laut CDU-Kreistagsmitglied Andreas Quebbemann war der Klimaschutz den Christdemokraten schon immer ein wichtiges Anliegen [subjektiver Einwurf: Ok, das wurde vielleicht nicht immer in Gänze deutlich genug kommuniziert 😉 ]
Für den parlamentarischen Geschäftsführer der CDU-Kreistagsfraktion ist es wichtig, dass es keine Verbote und Bevormundungen für den Klimaschutz gibt. Er betonte:

„Wir werden das Klimaschutzproblem nur lösen, wenn wir auf neue Technologie setzen.“

Allright auch hier! Neue Technologien sind definitiv ein ganz wichtiges Medium.
Und sonst? KEINE VERBOTE UND BEVORMUNDUNGEN BITTE! (so die Aussage (auch Zeitungstexte können natürlich nicht, so vermutlich auch hier, die ganze Bandbreite der inhaltlichen Aussagen und Verknüpfungen darstellen)…

Es ist anzunehmen, dass Politiker/Innen die Klimakonferenz in Madrid rege verfolgen und sich auch fachlich in angemessener Form mit den Fakten auseinandersetzen.
Nun somit dazu eine Frage an Herrn Quebemann und eine subjektive Ansicht zur Diskussion:

Gemäß Umweltbundesamt lagen die Pro-Kopf-Emissionen in Deutschland (CO2-Äquivalenz-Wert) im Jahr 2017 im Durchschnitt bei etwa 11 Tonnen (pro Bürger bzw. Bürgerin).
BürgerInnen-Haushalte/Kleinverbraucher machen etwa 17% des Gesamt-CO2-Voluments aus.
Wenn ein ernsthafter Versuch gestartet werden soll, die Klimakatastrophe (mit gigantischen Fluchtbewegungen, Hitzesommern, Ernteausfällen, Tausenden von Toten, Starkregen, Meeresspiegelanstieg, Artensterben, heftige gesundheitliche Auswirkungen und sozialen Unruhen) noch zu verhindern, dann reicht eine freiwillige Selbstbeschränkung noch nicht einmal ansatzweise.
Wollen wir den Temperaturanstieg um mehr als zwei Grad in diesem Jahrhundert verhindern, so ist es nötig, im Jahr 2050 bei lediglich 1 Tonne CO2-Äquivalent pro Kopf zu landen. Ergo: In 30 Jahren jährlich auf etwa 9 % der Emissionen zu kommen,
welche wir Bürgerinnen und Bürger AKTUELL [!] (im Durchschnitt) zu verantworten haben.

Konkret: Wie soll das ohne Ge- und Verbote funktionieren? Welche technischen Innovationen (die es ja noch nicht einmal gibt, sonst wären es ja auch keine Innovationen) sollen denn allen Ernstes dazu in der Lage sein, binnen 30 Jahren diese Herkulesaufgabe zu lösen (Frage an Herrn Quebbemann)?

Und einmal eine Einordnung in einen größeren Kontext:
„Wieso eigentlich keine neuen Regelungen, Ver- und Gebote?!“, soll hier laut gefragt (und auch gefordert) werden… Im Straßenverkehr, im gesellschaftlichen Miteinander, in so ziemlich allen Lebensbereichen gibt es Gesetze und Normen. Ist das schlecht? Natürlich nicht! Es ist zwingend notwendig, um ein stabiles Gerüst des gemeinsamen Lebens zu schaffen. Da liegt es doch nahe bei der größten
Herausforderung der Menschheit ever (eben der Klimaerwärmung) deutlich schärfere Regelungen und Vorgaben zu erlassen!

In der Meller Quintessenz (nächste Ausgabe) wird es zu dieser Ver- und Gebotsangst einen größeren Beitrag geben.
Denn (eine subjektive Sichtweise):
Angesichts dessen, wie schlampig wir alle mit eben der Verantwortung gegenüber den Folgen der Klimaerwärmung und den Auswirkungen auf uns selber (und unsere Nachkommen) umgehen, ist der Widerstand gegen jede Form von Regulierung unverständlich.
Wer vor dem Hintergrund der Klimaauswirkungen (es wird in den zuerst betroffenen Ländern zu gesellschaftlichen Komplettzusammenbrüchen kommen –
und der Countdown läuft schon lange) von einer Einschränkung der Freiheit und einer Vorliebe für eine Verbotskultur (oder sogar einer „Ökodiktatur“)
schwadroniert, der/die ist schlicht naiv und sieht die Gesamtzusammenhänge nicht (diese Aussage bezieht sich nicht auf die in diesem Absatz zitierten Personen, sondern
eher auf die vehementen Verfechter der „Es-geht-nur-ohne-Verbote“-Kultur.

Natürlich und ohne jede Frage, brauchen wir für den Klimaschutz Verbote, Regeln, Gebote, Auflagen und und und.
Als PolitikerIn kann man das schlecht „äußern“ (?), es könnte ja WählerInnen verprellen (??)-
Etwas mehr Mut und eine schonungslosere Analyse der aktuell stattfinden Prozesse wären schon schön (Wunsch an den Weihnachtsmann).
„Okidoki“, röhrt es aus dem Off. Unklar ob das Santa himself oder seine Rentier-Kollegen waren.

Und noch eine subjektive Ansicht: Das Klimaschutzprogramm der Bundesregierung ist kein seriöses diesbezügliches Programm. Es ist nicht einmal ein Progrämmchen. Es ist ein Offenbarungseid, welcher nicht einmal in Ansätzen den Erfordernissen der Zukunft genügt.

Blumiger Landkreis Osnabrück
Artenvielfalt steigern, Insektensterben stoppen
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