Pressemeldung: Das Projekt „Blumiges Melle“ wurde im Rahmen des Niedersachsenpreises für Bürgerengagement 2018 („unbezahlbar und freiwillig“) mit Platz 1 im Bereich Umwelt ausgezeichnet. Aus 300 Bewerbungen wurde somit das Projekt der gUG Umweltschutz und Lebenshilfe aus Melle zu einem der 11 Sieger gekürt.
Gewürdigt wurde insbesondere die Ausdauer, die Kreativität und ein weit überdurchschnittlicher
Einsatz „rund um die Uhr, ohne Pause im Jahresverlauf, nun schon über mehrere Jahre“ der beiden Betreiber Kai Behncke und Karsten Wachsmuth.
Im Rahmen des Projektes wurden eine Vielzahl insektenfreundlicher Blühwiesen teilweise in Kooperation mit Schulen, Vereinen, Kirchengemeinden und Firmen angelegt (innerhalb des übergeordneten Projektes „Blumiger Landkreis Osnabrück“ mittlerweile – gemeinsam mit der BUND Kreisgruppe Osnabrück – 98 Stück im Umfang von nahezu 200.000 m²). Für diverse Insekten – und damit innerhalb unterschiedlicher Nahrungsketten auch für Amphibien, Reptilien, Vögel und Kleinsäuger – stellen diese wichtige Rettungsinseln dar.
Die ausführende Organisation ist zugleich Regionalgruppe im Netzwerk „Blühende Landschaft“ [http://www.bluehende-landschaft.de/].

Auf der ehrenvollen Veranstaltung in Hannover, auf welcher auch Ministerpräsident Stephan Weil den beiden Preisempfängern gratulierte, dankte Kai Behncke allen Unterstützern des Projektes.
Gleichzeitig mahnte er:
„Eine Vielzahl von Wissenschaftlern hebt mittlerweile begründet hervor, dass wir uns in einer Phase des größten Artensterbens seit 66 Millionen Jahren befinden. Damals starben z.B. die Dinosaurier aus.
Wir als Gesellschaft müssen nun zeigen, dass wir die Ärmel hochkrempeln und gemeinsam konstruktive Lösungsansätze entwickeln und vor allen Dingen umsetzen können, jeder Einzelne.“

Karsten Wachsmuth: „Innerhalb der kürzlich stattgefundenen öffentlichen Bürgerbeteiligung zum Aktionsprogramm Insektenschutz der Bundesregierung hat sich gezeigt,
dass eine ökologische Tierhaltung bzw. Tierbeweidung einen wichtigen Beitrag zum Insektenschutz leisten kann. In diesem Sinne freuen wir uns, dass wir auch im nächsten Jahr die Tiere unseres „Gnadenhofs Brödel“ auf verschiedenen Flächen in Melle als wertvollen Beitrag zur biologischen Vielfalt einsetzen werden“.

Die beiden Projektinitiatoren heben hervor, dass „Blumiges Melle“ trotz des offiziellen Endes der Projektlaufzeit auch 2019 weiter betreut wird.
„Das Artensterben kennt keine Projektlaufzeiten. Natürlich machen wir weiter“, so Wachsmuth.
Kai Behncke: „Sowohl in Melle als auch innerhalb des Projektes „Blumiger Landkreis Osnabrück“ (http://blumiger-lkos.de) werden wir weitere Blühwiesen schaffen und verstärkt auch für zusätzliche Nisthilfen, wie z.B. Totholz oder Trockensteinmauern sorgen. Ein gedeckter Tisch ist schön. Ohne ein Haus in der Nähe – Wildbienen haben nur geringe Flugradien – würde jedoch nur eine Seite
der Infrastruktur für Insekten ausgebaut.“

Aktuell suchen die beiden Betreiber noch leihweise, für einige Jahre, Flächen, um eine geplante Biotopverknüpfung zu forcieren. So werden z.B. noch ganz gezielt Areale in Hagen a.T.W. sowie in Venne (Osterappeln)
für eine kostenlose Anlage von Blühwiesen gesucht.
Kai Behncke ergänzt: „Ein herausragendes Projekt, welches mit unseren Insektenschutzmaßnahmen gut kombinierbar ist, ist der maßgeblich vom TSV Westerhausen und seinem Vereinsvorsitzenden Frank Strötzel initiierte „Meller Jubiläumsweg“.
Dieser Wanderweg, welcher auch wichtige Aspekte der Umweltbildung beinhaltet, führt durch die Ortschaften Melle-Westerhausen, Föckinghausen, Oldendorf und Oberholsten.
Wir suchen hier noch händeringend nach sonnigen Flächen, welche direkt an den Wanderweg angrenzen und für einige Jahre kostenlos an uns verliehen werden. Auch hier
werden wir wunderschöne Blühwiesen, Trockenmauern und Nisthilfen schaffen. Das wird für Freude bei naturbewussten Wanderern aber insbesondere bei hungrigen Insekten und Kleintieren sorgen.“

Die beiden Betreiber des Projektes betonen jedoch auch, dass sie dringend auf Finanzspenden angewiesen sind.
Karsten Wachsmuth: „Unsere Kassen sind mittlerweile definitiv leer. Wir sind bereit weiterhin ehrenamtlich einen hohen Zeitaufwand für den Naturschutz zu leisten, wir würden uns jedoch außerordentlich über Spenden
freuen. Ein Kilogramm regionales, artenreiches Saatgut liegt bei 170 Euro, das reicht etwa für 500 m² Blühwiese. Ohne zusätzliche Spenden können wir nur noch mit „angezogener Handbremse“ arbeiten.
Geld ist leider eindeutig der limitierende Faktor, da Saatgut und Maschinen nicht günstig sind.“

Auf der Homepage der Organisation „Umweltschutz und Lebenshilfe“ finden sich verschiedene Spendenmöglichkeiten.
Der für die Preisverleihung professionell erstellte Film über „Blumiges Melle“ kann auf YouTube
eingesehen werden:

Spenden- und Unterstützungsmöglichkeiten:
Erwerbt gerne unser einpflanzbares Naturschutzbuch (für Kinder und Erwachsene, tolles Weihnachtsgeschenk :-))

https://www.betterplace.org/de/projects/66360-insektensterben-stoppen-bluhwiesen-anlegen-pflege-durch-gnadenhoftiere
https://www.betterplace.org/de/projects/61174-gnadenhof-melle-brodel-melle-westerhausen
https://www.betterplace.org/de/projects/61252-blumiger-landkreis-osnabruck
https://www.gooding.de/gnadenhof-broedel-melle-77700

Die (mit etwas Selbstironie vorgetragene) Siegerehrung im Ticker:

07:58 Uhr:
Heute Termin in Hannover, beim Ministerpräsidenten (kein Witz). Niedersächsischer Ehrenamtspreis, vielleicht gibt es was :-). Wir müssen also in die Stadt, wir beiden Dorfdeppen, nach Hannover. Ungewohntes Terrain. Unser Kumpel Willi sagt die Leute in der Stadt tragen keine Gummistiefel und sehen nicht aus, als ob sie nachts im Heu geschlafen hätten. Also versuchen wir das auch, die Mistforken bleiben zu Hause…und die Heupullover werden gewechselt, schade, ich mag den Geruch und es ist gemütlich. Ich trage ein Hemd, eigentlich war das für Weihnachten gedacht. Naja, Hannover ist nur einmal im Jahr 🙂
Blumiges Melle, Artenvielfalt steigern, Insektensterben stoppen. Http://blumiges-melle.de

10:00 Uhr:
Die Landeier sind in hannover angekommen. Die menschen hier tragen wirklich keine gummistiefel und es liegt auch nirgendwo heu rum. An so komischen masten blinken lichter in grün, rot und orange. Sie nennen es „ampeln“. Die sind dafür da, dass die pferdekutschen nicht ineinander rauschen. Nur bei den kutschen sieht man garkeine pferde???. Bestimmt sind die ganz ganz klein. Damit die nicht nass werden laufen die ganz vorne unter der pferdehaube. Wir steigen in ein gefährt welche sie „taxi“ nennen (???). Der kutscher sagt, sein gefährt hätte 180 pferdestärken. Ich frage ihn, wie die denn alle unter die haube passen und wo sein möhrenvorrat sei? Da könne doch was nicht stimmen. Nur weil wir vom land kommen sei das kein grund sich über uns lustig zu machen. Wir merken sofort was sache ist, sind ja nicht doof. Der kutscher kuckt mich irritiert an und nuschelt was von: „verrückte welt, verrückte kunden“. Ja, die stadt ist wirklich verrückt. Wir kucken aus dem fenster (die kutsche fährt ohne dass wir hufgetrappel hören !!!!!???? unheimlich, ghostriders in the storm). Draussen sieht man nur beton. Ich will nach hause, da wo man weit kucken kann und schöne dinge sieht.
Verleihung des niedersächsischen ehrenamtspreis, gleich sind wir da.

10:30 Uhr:
Die Ehrung findet heute in einer grossen Scheune statt, aus Glas, im Hintergrund eine
neuartige Schweinerasse. Fast wie zu Hause. Strenge Einlasskontrollen. Wir zeigen unser Ticket und raunen:
„Gummistiefel“. Das war das Codewort, wir sind drin. Drin alles vom Feinsten. Gut dass ich mein Weihnachtshemd anhab.
Mutti wird verstehen, wenn ich vor dem Weihnachtsbaum mit Heupullover sitzen. Auch für Karsten eine andere Welt.
Wohl reflexierend schaut er sich in der Glasscheune um, keine Landmaschinen, nix. Vielleicht ist es auch dass, was sie „Bank“ nennen,
also sowas wie der Umschlag unter unserer Matratze.
Egal. Erstmal was essen. Ich vermisse Kartoffeleintopf mit steckrüben.
Verleihung niedersächsischer ehrenamtspreis in hannover, wir höhlenmenschen sind auch eingeladen.

11:04:
Laut jubelnd begrüsst uns Ministerpräsident Weil (wir dürfen ihn Weily nennen). „Da seid Ihr ja Ihr Blühwiesenmonkeys“,
„Weily, alte Ratze“. Strahlend klopfen wir uns auf die Schultern. Alte Kumpels unter sich 🙂

11:51 Uhr:
Der Niedersächsische Ehrenamtspreis im Sektor „Umwelt“ goes to: ….Blumiges Melle!!!!!Wow!!!!!!!! Was für ein Erfolg !!!
Artenvielfalt steigern, Insektensterben stoppen. Http://blumiges-melle.de, http://blumiger-lkos.de

12:23 Uhr:
Hier fliegen die Gummistiefel durch die Luft, Karsten und ich tanzen auf Heuballen,
ein grosser Trog Gülle wird hereingerollt, wir springen mit dem Hintern voran voll rein.
Etiquette ist jetzt hier egal. Die beiden Flitzpiepen vom Dorf gehören zu den Siegern,
welche sich unter 300 Bewerbern durchgesetzt haben. WOW!!!!!Wildbienen und Schmetterlinge
senden wilde Glückwunsche durch die Luft.
Danke!!!! An alle, die Blumiges Melle unterstützt haben. Und gleich gehts zurück aufs Land,
sone Grossstadt ist nix für uns. Zu wenig grün, obgleich sonst ganz nett 🙂